Wer die SchweizerFrauen-Sprint-Staffel an internationalen Wettkämpfen verfolgt, braucht starkeNerven. Sehr starke!

An der Heim-EM 2014in Zürich verlor Mujinga Kambundji zwei Meter nach dem Start den Stab. Ich wardamals Stadion-Speakerin und nahm das im Augenwinkel wahr, musste aber für das Publikum den Lauf mit dem Sieg der Britinnen zu Ende begleiten. Mujinga verschwand erst in den  Katakomben, ehe EM-Direktor Patrick Magyar sie wieder rausschickte, worauf ich sagte:  „Wahre Champions erkennt man in der Niederlage. Sie stehen hin, wenn ihnen der Wettkampf nicht geglückt ist- wie Mujinga Kambundji“.  Das Publikum verstand, was ich damit meinte. Unter tosendem Applaus trabte Mujinga eine Art Trostrunde. Seither steht die Frauenstaffel immer im Fokus beim Publikum.

Aufgegangen ist das Projekt aber nie. In den letzten 12 Jahren gab es mehrere 4. Plätze,Stafbfehler oder gar eine Disqualifikation… aber nie eine Medaille. Nun in Birmingham ist endlich alles aufgegangen: Das Schweizerinnen-Quartett gewinnt hinter Grossbritannien Silber! Die erste Staffelmedaille für die Schweiz überhaupt.

Am Abend vor dem Final verzichtet Ajla del Ponte auf ihren Startplatz. Im Interview gegenüber SRF begründet die Tessinerin das so: „Es war hart, aber ich war nicht sicher ob ich 100% geben kann, und ich wollte kein Risiko für‘s Team sein.  Ich hatte 100% Vertrauen in Fabienne (Hoenke), sie ist so in Form. Es ist bittersweet, nicht auf der Bahn zu sein, aber ich bekomme auch eine Medaille, es ist Teamwork.“  Unter den zehn Athletinnen in diesem Staffelprojekt sei eine ehrliche und offene Kommunikation zentral.  Ajla del Ponte hat dies eindrücklich vorgelebt.

Im 4x100m- Final ging es dann wieder nicht ohne Schweizer-Drama. Erster Wechsel top, zweiter ok,dritter- Herzstillstand für jeden Leichtathletik-Fan. Beim letzten Wechsel muss Léonie Pointet stop rufen. Salomé Kora bremst ab und steht fast still, hat einigen Rückstand auf die Medaillenplätze, läuft dann aber das Rennen ihres Lebens. Di Tizio-Frey, Hoenke, Pointet undKora gewinnen Silber. Endlich ist alles aufgegangen! Die vier liegen sich mitAjla del Ponte weinend vor Glück in den Armen. Als Zuschauerin kann man nur erahnen, welch riesiger Druck da abfällt. Gratulation der Staffel, Coach Beytrison und speziell auch den Ersatzläuferinnen. Sie alle haben zu dieser Medaille beigetragen.

Das Schweizer Leichtathletik-Team hat einmal mehr für sportliche Sternstunden gesorgt. 3x Gold,3x Silber und 1xBronze. Dazu grossartige Platzierungen von jungen Athletinnen und Athleten, die erstmals an einer EM gestartet sind.

Ich freue mich noch mehr auf Weltklasse Zürich 2026. Denn die EM in Birmingham hat einmal mehr gezeigt, dass Schweizer Athletinnen und Athleten Weltklasse sind.

Foto: WeltklasseZürich

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